Kormoranpetition 2013

Infolge der wachsenden Überpopulation des Kormorans drängen zwangsläufig mehr Wintergäste nach OÖ, als der ohnehin strukturell stark beeinträchtigte Fischbestand unserer Gewässer schadlos verkraften könnte.

Die Erfahrungen der letzten 15 Jahre haben gezeigt, dass lokal beschränkte Vergrämungsmaßnahmen allein nicht ausreichen, um Schäden am Fischbestand auf ein tragbares Maß zu reduzieren.

Für eine nachhaltig zufriedenstellende Lösung ist eine kombinierte Strategie notwendig

  • Reduktion der Kormoran-Population durch „Geburtenkontrolle“ in den Brutkolonien
  • Konsequentere Maßnahmen auf regionaler Ebene, wobei insbesondere an Gewässern mit gefährdeten Fischarten (vor allem in der Äschen- und Barbenregion) der Schutz der Fischbestände Vorrang vor dem Vogelschutz haben muss.

Es ist ein Faktum, dass der Kormoran in Europa schon lange nicht mehr gefährdet ist. Im Gegenteil, die Art hatte spätestens 1997 schon einen so „günstigen Erhaltungszustand“ erreicht, dass ihn die EU Kommission aus dem Anhang I der Vogelschutzrichtlinie gestrichen hat. Seither hat sich der gesamt-europäische Bestand weiter ausgebreitet und auf etwa 2,5 Millionen mehr als verdoppelt – während im Gegensatz dazu die Fischbestände einem zunehmendem Druck ausgesetzt sind und die Bestände vieler Arten stark rückläufig sind. Eine Vielzahl heimischer Fischarten wird in der Roten Liste der Fische Österreichs (Wolfram & Mikschi 2007) in verschiedenen Gefährdungskategorie geführt. So werden aktuell sechs Arten mit „Critically Endangered“ (CR, vom Aussterben bedroht), 18 Arten in die Kategorie „Endangered“ (EN; stark gefährdet) und 15 Arten in die Kategorie „Vulnerable“ (VU; gefährdet) eingestuft. Weitere neun Arten stehen auf der Vorwarnliste (Kategorie NT; Near Threatened) und nur 17 Arten, also rund ein Fünftel der aufgenommenen Taxa, sind in Österreich der Kategorie „Least Concern“ (LC; nicht gefährdet) zugeordnet. Weiters werden zahlreiche heimische Fischarten in der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) der EU (Rat der Europäischen Gemeinschaften 2004) in den Anhängen II und V gelistet.

Angesichts der aktuellen Situation und Sachlage muss der Schutz der Fischbestände klaren Vorrang vor einem Totalschutz des nicht gefährdeten Kormorans haben.

Auch die EU Kommission ist sich der Problematik bewusst und „hat sich mit den Mitgliedsländern darauf geeinigt, dass die Möglichkeit zu abweichenden Bestimmungen zur Vermeidung ernsthafter Schäden an den Fischereigebieten in vollem Umfang genutzt werden kann„. Wobei die Kommission auch ausdrücklich aufgelistet hat, dass laut Artikel 9 der Vogelschutzrichtlinie neben lokalen Vertreibungen und Vergrämungsabschüssen auch präventive Bestandskontrollen, Eingriffe in Brutkolonien, Regulierung der Reproduktion und Maßnahmen an Schlafplätzen durchaus legitim sind. Wobei alle diese Maßnahmen – eine wichtige Konkretisierung – grundsätzlich auch in Natur- und Vogelschutzgebieten möglich sind.

Die vom Oö. Landesfischereirat einstimmig beschlossene und von hunderten Fischern notariell beglaubigt unterzeichnete Kormoranpetition 2013 wurde am 22. Mai 2013 an den für Naturschutzfragen zuständigen Landesrat Dr. Manfred Haimbuchner übergeben – Gespräche mit der Fachabteilung wurden Anfang Dezember 2014 eingeleitet, eine Erledigung dazu ist für die „Kormoransaison“ 2014/15 zu erwarten.

Kormoranpetition 2013