Wann und wo darf der Kormoran vergrämt werden?

kormoranWie sehr der Fischbestand und die Fischerei insgesamt durch die Kormoraneinfälle gelitten haben, braucht an dieser Stelle nicht weiter erklärt bzw. diskutiert werden. Tatsache ist, dass die Überfischung vor allem von mittleren Gewässern durch die Kormorane bereits ein europaweites Phänomen darstellt und die Verluste vor allem in der Äschenregion in Österreich bis zu minus 97 Prozent betragen. Damit ist in vielen Gewässern der natürliche Reproduktionszyklus unterbrochen und es besteht Gefahr für die lokalen Äschenrassen wie überhaupt für die Artenvielfalt. Wurde 1960 der europaweite Bestand an Kormoranen auf 20000 Stück geschätzt, so ist er bis zum Jahr 1993 auf Grund der Vogelschutzrichtlinie auf 320000 Stück angewachsen, 1997 wurden 1,1 Millionen, und zur Zeit 2,5 Millonen Stück geschätzt. Die Lösung des Kormoranproblems liegt daher bei der EU-Kommission, welche den Kormoran erst 1997 – also viel zu spät – aus dem Anhang II der Richtlinie (völlig geschützt) herausgenommen hat. Weitere Schritte lassen aber immer noch auf sich warten. So wurde eine Entschließung des Europäischen Parlaments, die Kommission solle Pläne zur Reduzierung der Zahl der Kormorane entwickeln bis heute noch nicht umgesetzt und auch das angekündigte Management-Komitee ist bislang noch nicht gebildet worden.

Bis daher endlich adäquate Kormoran-Maßnahmen durch Brüssel gesetzt werden, ist die Fischerei auf Lösungsversuche des Problems innerhalb der regionalen Naturschutzgesetzgebung angewiesen. In Oberösterreich ist es nach langen, zähen Verhandlungen mit dem Landesnaturschutz gelungen, in der Verordnung über den Schutz wildwachsender Pflanzen und freilebender Tiere Sonderbestimmungen für den Kormoran zu erreichen. Diese gestatten auch den Abschuss von Kormoranen zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Bereichen. Nachdem die Fischereiberechtigten selbstständig keine Abschüsse vornehmen dürfen, sind sie auf die Mithilfe bzw. das Verständnis des jeweiligs Jagdausübungsberechtigten angewiesen. Leider muss immer wieder festgestellt werden, dass in der Jägerschaft das Wissen um die Bejagung des Kormorans zum Teil lückenhaft ist und dass der Kormoranabschuss gesetzlich gedeckt ist. Im Einvernehmen mit dem Oö. Landesjagdverband dürfen daher im folgenden die in Oberösterreich geltenden Kormoranbestimmungen (jedes Bundesland hat eigene Vorschriften) kurz wiedergegeben werden:

  • In der Zeit vom 16. August bis 15. März ist es zum Schutz von gefährdeten Fischbeständen erlaubt im Umkreis von 100 m von Gewässern und von anerkannten Fischzuchtbetrieben Kormoranabschüsse vorzunehmen.
  •  Keine Vergrämungsmaßnahmen sind an folgenden Gewässern bzw. Gewässerabschnitten erlaubt:
    •  Seen: Mondsee, Wolfgangsee, Attersee, Traunsee, Hallstättersee;
    •  Flüsse: Donau, Inn, Salzach, Enns (Sonderregelung mit FR Enns-Linz), Traun (von Fluss-km 70,36 bis 49,8 und 44,7 bis 33,7);
    •  weiters in Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten und Vogelschutzgebieten sowie an Kormoranschlafplätzen.

Den Fischereiberechtigten trifft die Verpflichtung, mit dem Jagdausübungsberechtigten das Einvernehmen herzustellen, die toten Kormorane zu entsorgen und die Abschussmeldung bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft vorzunehmen.

Abschließend möchte der Oö. Landesfischereiverband die Gelegenheit nützen, der oö. Jägerschaft seinen Dank und seine Anerkennung auszusprechen und zwar für die Bereitschaft, an der Lösung dieses für die Fischerei wirklich ernsten Problems mitzuwirken und um die weitere Unterstützung ersuchen!

Linz, im November 2013

 

Formular „Kormoran-Abschüsse (Erhebungsbogen)“ als Download